Wilst du lieber recht haben oder glücklich sein

Gewaltfrei Glücklich

Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg - Seminare in Berlin und Brandenburg


Das Menschenbild der gewaltfreien Kommunikation

Der Gewaltfreien Kommunikation liegt ein zutiefst positives Menschenbild zugrunde. Es besagt, dass kein Mensch gegen andere handelt, sondern immer nur für sich, also alles Handeln ein (mehr oder minder gelungener) Versuch ist, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Wir sind grundsätzlich einfühlsame Wesen und möchten zum Leben beitragen – vorausgesetzt, dass wir nicht in Angst sind oder uns schuldig fühlen. Es geht nicht darum, ein Verhalten zu entschuldigen oder als richtig oder falsch zu bewerten, sondern zu verstehen, warum ein Mensch in bestimmter Form handelt. Nicht die Menschen werden als defizitär betrachtet, sondern nur die Art und Weise, wie sie versuchen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Kinder_1.jpg

Anstatt also den Menschen als gut und böse bzw. richtig und falsch zu beurteilen, richtet sich der Blick ausschließlich auf das Handeln. Nicht die Bedürfnisse sind unangemessen, sehr wohl aber die gewählten Strategien. Es geht darum, den Menschen nicht einzureden, dass sie böse sind und bestraft gehören, sondern herauszufinden, um welcher Bedürfnisse willen sie es tun, damit man gemeinsam andere Wege finden kann, damit sie erfüllt werden, ohne dass andere Menschen darunter leiden. Nicht die Bedürfnisse sind unangemessen, sehr wohl aber die gewählten Strategien.

Wenn Menschen sich verhaltensauffällig benehmen oder sogar eine Straftat begehen, wird dies als energischer Ruf unerfüllter Bedürfnisse verstanden. Menschen, die sich nicht einfühlsam anderen Menschen gegenüber verhalten, haben den Kontakt zu ihrem einfühlsamen Wesen verloren. Ziel ist es also, sie wieder in Kontakt dazu zu bringen. Dies funktioniert nicht über Strafe, Schuld- oder Schamgefühle, sondern ausschließlich über Berührung. Je aggressiver ein Mensch also handelt, umso mehr brennt es in ihm, umso mehr Unterstützung braucht er, wieder in Berührung mit seinem Herzen zu kommen. Sehr wichtig ist hierbei aber die Unterscheidung zwischen dieser Art von Mitgefühl und Zustimmung. Nur weil ich empathisch für das Handeln und die dahinter liegenden unerfüllten Bedürfnisse bin, bedeutet das nicht, dass ich damit einverstanden bin.

Mir kann man nicht so leicht Angst machen. Nicht weil ich tapfer wäre, sondern weil ich weiß, dass ich es mit menschlichen Wesen zu tun habe und dass ich so intensiv wie möglich versuchen muss, alles, was ein jeder jemals tut, zu verstehen. Und darum ging es genau heute morgen: Es war nicht wichtig, dass ich von einem missmutigen Gestapooffizier angeschrieen wurde, sondern dass ich darüber keine Entrüstung empfand und statt dessen echtes Mitgefühl mit ihm hatte. Ich hätte ihn gerne gefragt. „Hatten Sie eine sehr unglückliche Kindheit, hat ihre Freundin sie im Stich gelassen?“ Ja, er sah mitgenommen und angespannt aus, finster und dünnhäutig. Am liebsten hätte ich ihn gleich in psychologische Behandlung genommen, denn ich weiß, dass solch bedauernswerten jungen Männer gefährlich werden, wenn man sie auf die Menschheit loslässt.“ (Etty Hillesum. Tagebucheinträge aus dem KZ).

Dieses Menschenbild wirkt sich auf das gesamte Erziehungssystem aus – es geht nicht darum, Menschen in eine bestimmte Richtung zu erziehen, sondern sie dabei zu unterstützen, einfühlsam für sich und andere Menschen sein zu können. Anstatt Erziehung ist der Ausdruck ‚soziales Lernen’ passender – Ziel ist es, sinnvolle Strategien zu finden, durch die die eigenen Bedürfnisse unter Einbezug der Bedürfnisse der Umgebung (Mensch, Tier und Natur) erfüllt werden. Oft wird gewaltfreie Erziehung allerdings mit antiautoritärer oder ‚laissez faire’ Pädagogik gleichgesetzt, was definitiv eine Fehlinterpretation ist. Es gibt für Kinder (wie auch Erwachsene) Grenzen, allerdings nicht in Form unhinterfragbarer Regeln und Gesetze, sondern indem sie erfahren, was ihr Verhalten bei anderen Menschen auslöst. Es ist wichtig, dass Kinder lernen, die Bedürfnisse von Erwachsenen zu verstehen – damit sie überhaupt die Chance bekommen, achtsam damit umzugehen. Ich setze also immer dann eine Grenze, wenn mein eigenes Bedürfnis beeinträchtigt ist und nicht „aus Prinzip“. Gewaltfrei impliziert also nicht, „alles ist okay“ sondern lediglich den Verzicht die ‚vier Säulen der Erziehung’: Scham, Schuld, Lob und Strafe.

Das Problematische an Belohnung ist, dass sie mit Liebe und Zuneigung verwechselt wird und dann macht sie abhängig. Dann tun wir alles, um Belohnungen, Lob und Komplimente zu bekommen und das ist in meinen Augen noch gefährlicher als Bestrafung. Diese Abhängigkeit macht aus einem anderen Menschen eine nette Person. Nett und tot. Ich würde weder Belohnung noch Strafe als pädagogisches Mittel einsetzen, beide gehören zum gleichen System. Zu einem System, in dem Recht und Gerechtigkeit durch Vergeltung hergestellt wird. Es basiert auf der Vorstellung von „verdienen“, davon, dass jemand, der gut ist, es verdient hat, bestraft zu werden. Es ist dieses Denk- und Rechtssystem, zu dem Belohnung und Bestrafung gehören, und es ist dieses System, das mir Sorgen macht." (M. Rosenberg)

weiterer Artikel:


Impressum  |  Sitemap  |  suchen  |  © 2009, Gewaltfrei Glücklich